KONDOM DES GRAUENS
In New York sorgen böswillige Kondome für grenzenloses Grauen: In dem Stundenhotel "Quickie" erklärt ein Collegeprofessor seiner Studentin Phyllis die Bedingungen einer Prüfung - und wird von einem Gummi seiner Männlichkeit beraubt. Auch der homosexuelle Inspektor Mackeroni büßt während eines Schäferstündchens auf diese Weise einen Hoden ein. Weil ihm niemand glaubt, geht er mit seinem Partner Sam auf eigene Faust auf die Jagd nach den gefährlichen Kondomen.
"Kondom des Grauens" ist nach "Der bewegte Mann" die zweite Verfilmung eines Comic von Ralf König, dem prominenten deutschen Zeichner von Schwulencomics, der auch über die Grenzen seiner Szene hinaus eine grosse Beliebtheit errungen hat. Doch im Gegensatz zum ersten Film, der aus zwei Underground-Comics eine zahme Hetero-Komödie mit ein paar netten Schwulen als Beigemüse gemacht hat, bleibt dieser Film sehr nahe an seiner Vorlage. Der Film profitiert von der düsteren, perversen Grosstadt-Welt, die König in seinen Comics entwickelt, indem er versucht, sie auch in den Film einzubringen. Im Gegensatz zu amerikanischen Comic-Verfilmungen ist "Kondom des Grauens" nicht so extrem stylisiert und verfügt über ein behäbiges Tempo, das dem Zuschauer genügend Raum zum Atmen und Nachdenken lässt. Es ist dem jungen Zürcher Produzenten Ralph S. Dietrich und dem Regisseur Martin Walz hoch anzurechnen, dass sie nicht den kommerziellen Versuchungen erlegen sind, den Film leichtfüssiger und mehrheitsfähiger zu machen und ihm so den kruden Charme zu nehmen, der ihn vom Rest der im Moment so boomenden deutschsprachigen "Schwulenkomödien" abhebt.
Wer beim "Kondom des Grauens" eine klassische, leicht verdauliche Komödie erwartet hat, sitzt im falschen Film. Die Komik ergibt sich hier mehr aus der Situation als aus den Dialogen. Die Dinge werden beim Namen genannt, die Hauptpersonen sind keine blossen Figuren, sondern Personen mit Charakter und klar definiertem Hintergrund. Mackeroni ist im Grunde genommen ein tragische Figur: Entwurzelt von seiner Vergangenheit schlurft sein hervorragend gespieltes Leinwand-Pendant Udo Samel durch eine Welt voller Verbrechen und Perversitäten und ist in seiner Melancholie unfähig, eine richtige Liebesbeziehung einzugehen. Doch während der Suche nach dem Kondom macht er eine Wandlung durch, die in einer selbstbewusst vorgetragenen, vielliecht etwas gar zu pathetisch geratenen Predigt kulminiert.
Martin Blatter
Stabangaben:
Regie: Martin Walz
Drehbuch: Ralf König, Martin Walz, Mario Kramp
Nach der Comicvorlage von Ralf König
Besetzung:
Udo Samel
Peter Lohmeyer
Marc Richter
Leonard Lansink
Iris Berben
Ron Williams
Ralf Wolter
Evelyn Künneke
Gerd Wameling
Meret Becker
Otto Sander
Special Effect Supervisor: Jörg Buttgereit
Creatice Consultant: H.R. Giger
Spezial Effekte: Daktari Lorenz, Heinz Langner
Kamera: Andreas Honisch
Musik: Emil Viklicky
Produktion: Ralph S. Dietrich, Harald Reichebner
107 min.



