NEKROMANTIK 2 - DIE RÜCKKEHR DER LIEBENDEN TOTEN

Die schönen Beine eines zierlich-jungen Mädchens mit blonden Haaren und roten Lippen bewegen sich durch die Friedhofsanlage vorbei an den Warnschildern, die vor dem Betreten des bruchreifen Kirchhofes warnen. Ein schwarzer Schuh mit hohem Absatz tritt die Schaufel in die noch frische Erde. Sie beginnt das Grab des Helden von NEKROMANTIK auszuheben. Sie wird die Leiche von Robert Schmadtke nach Hause transportieren, sie auf den Küchentisch legen und lieben.

NEKROMANTIK, das ist die Verschmelzung der Gegensätze von Liebe und Tod, das ist das Allerunglaublichste, präsentiert im Tonfall allergrößter Selbstverständlichkeit. Das Spannungsverhältnis zwischen den Gegensätzen durchzieht den ganzen Film. Die jugendliche Unschuld des Mädchen widerspricht ihrem finsteren Treiben sowie die eingestreuten Splatter-Szenen der lyrischen Atmosphäre, die Mechanik der Synchronarbeit der gespielten Leidenschaft eines Pornofilms, die formale Eleganz der Kamerabewegungen den kleinen Schocks des Inhalts und die schöne Unbeholfenheit der Schauspieler der abgründigen Perfektion der Inszenierung. Jörg Buttgereit hat viel und leidenschaftlich experimentiert, nun ist er ruhiger geworden, und sein Film ist auf erhabene Weise lyrisch.

Anke Sterneborg


R.I.P. - Rest in Peace
. Das gilt für den Suizidanten Robert aus NEKROMANTIK nicht. Denn die letzte Einstellung des Films hatte bereits verraten, dass sich jemand an seinem frischen Grab zu schaffen macht. Es ist die nekrophile Krankenschwester Monika. Sie nimmt den verwesenden Leichnam mit sich nach Haus um sich sexuell an ihm zu befriedigen. Als dies nach einiger Zeit nicht mehr möglich ist, trennt sie sich von ihm. Dann lernt sie den Pornofilm-Synchronsprecher Mark kennen. Beide verlieben sich ineinander und obwohl Mark die Vorlieben Monikas und ihre sexuellen Praktiken (er soll sich beim Beischlaf nicht bewegen) eigenartig findet, glaubt er doch an die große Liebe.

Jörg Buttgereits NEKROMANTIK 2 hat einen für einen deutschen Film bis dato nicht gekannten Leidensweg hinter sich gebracht. 1991 bei einer Vorführung in einem Münchner Werkstattkino polizeilich als „Gewalt verherrlichend“ beschlagnahmt, wäre der Film beinahe zerstört und sein Regisseur und seine Produzenten bestraft worden. 1993 wird der Film jedoch „freigesprochen“, nachdem der Marburger Filmwissenschaftler Knut Hickethier ein minutiöses Gutachten für den Film verfasst hat. Seither gilt NEKROMANTIK 2 offiziell als Kunst.

Stefan Höltgen

Stabangaben:

Regie: Jörg Buttgereit         
Buch: Jörg Buttgereit, Franz Rodenkirchen
Produktion: Manfred O. Jelinski, Jörg Buttgereit

Darsteller:
Monika M. - Monika
Mark Reeder - Mark
Lena Braun - Porno-synch girl
Jörg Buttgereit - Kinobesucher
Carola Ewert - Monikas Freundin
Astrid Ewerts - Monikas Freundin
Florian Koerner - Betrunkener
Käthe Kruse - Nackte Frau im Film
Eva-Maria Kurz - Monikas Freundin
Daktari Lorenz - Robert Schmadke
Beatrice M. - Betty
Wolfgang Müller - Nackter Mann im Film
Petra - Monikas Freundin
Franz Rodenkirchen - Kinobesucher
Vanessa Salata - Frau in Bar
Simone Spörl - Marks Ex-Freundin
John Boy Walton - Pianospieler
Eddi Zacharias - Barkeeper
Björn Zielaskowki - Mann im Kino

Kamera: Manfred O. Jelinski         
Schnitt: Manfred O. Jelinski, Jörg Buttgereit
Musik: Hermann Kopp, Daktari Lorenz, Mark Reeder, Monika M.
Spezial Effekte: Alois Vollert, Sammy Balkas    
Optische Effekte: Manfred O. Jelinski
Ton: Harald Weis
Kamera-Assistent: Jan Hartmann
Regie-Assistent: Franz Rodenkirchen
Poster: Andreas Marschall
Standfotos: Jörg Buttgereit

1991, 103 mim.