COWBOYS & ALIENS
(USA, 2011)
Genrekino ist Zitatkino. Aber Cowboys, so möchte man meinen, haben im Fantastischen Film nun wirklich nichts zu suchen. Doch bereits 1966 verlief sich in dem B-Film „Jesse James Meets Frankenstein's Daughter“ der gesuchte Western-Outlaw auf der Flucht vor dem Sheriff im Schloss von Frankensteins Enkelin Maria, die seinen Kameraden Hank per Hirntransplantation prompt in einen willenlosen Zombie verwandelte und ihn Igor taufte. In dem durchaus gesellschaftskritischen „Westworld“ vom späteren Erfolgsautor Michael Crichton aus dem Jahr 1973 war es ein eiskalter Revolverheld-Cyborg mit dem Antlitz von Yul Brynner, der in einem futuristischen Vergnügungspark Amok lief.
Auch der aktuelle Sommerblockbuster „Cowboys & Aliens“von „Iron Man“-Regisseur Jon Favreau kommt seriöser daher, als es der absurde Titel des Genre-Crossovers vermuten lässt. Dabei verharmlost das kleine Wörtchen „und“ das Konfliktpotential der Begegnung schon gewaltig. Man könnte glatt erwarten, die Westernhelden würden im Film mit den Aliens Friedenspfeife rauchend am Lagerfeuer sitzen. Das Gegenteil ist in dem Science-Fiction-Western, basierend auf dem gleichnamigen amerikanischen Comic von Scott Mitchell Rosenberg, natürlich der Fall. Die insektenhaften Krustentiere mit schleimigen Innenleben sind im Jahr 1873 aus dem Weltall in den wilden Westen nach Arizona gekommen um Gold zu stehlen und die Cowboys mit ihren Frauen und Kindern für Forschungszwecke zu kidnappen. Spätere Invasion mit anschließender Weltherrschaft nicht ausgeschlossen. Doch die Außerirdischen haben ihre Rechnung ohne den Fremden ohne Namen und Gedächtnis gemacht, der mit einer Metallmanschette unbekannter Herkunft am linken Unterarm in einer kleinen Wüstenstadt ankommt.
Wie ernst Favreau seinen Film und die Genres nimmt, in denen er wildert, zeigt die Besetzung der Hauptrollen mit namhaften Hollywoodschwergewichten. Harrison Ford, der mit Cowboyhut natürlich aussieht wie Indianer Jones, spielt den grimmigen Colonel Dolarhyde, der die Gemeinde mit eiserner Faust und rauer Stimme regiert. Daniel Craig, der ohne seinen Hut aussieht wie James Bond, spielt den namenlosen Fremden in schnörkelloser Anlehnung an Clint Eastwood in den Spagetti-Western von Sergio Leone. Die Ehrfurcht die auch Nebendarsteller wie Sam Rockwell ihren Rollen entgegenbringen zahlt sich im Laufe des Films aus. Denn gerade wenn man die abziehbildhaften, wohl bekannten Figuren im inhaltlich vorhersehbaren Genrekino nicht mit billigen Witzen verrät, werden aus ihnen Ikonen zu denen man gerne aufschaut und denen man auch bedingungslos glaubt, dass sich Cowboys mit Indianern verbünden um ein Raumschiff voll wütender Aliens aus der Wüste von Arizona in den Orbit zu katapultieren. Happy End ebenfalls nicht ausgeschlossen.
Die völlig ironiefreie Inszenierung mag den Film für ein junges Publikum, für das er letztendlich gemacht ist, etwas altbacken und wenig originell erscheinen lassen. Große Jungs werden in „Cowboys & Aliens“ jedoch rechtschaffenen und soliden High-End Trash erkennen, der sich ausnahmsweise mal nicht selbst auf den Arm nimmt, sondern die Grenzen des Genrekinos mit Bedacht erweitert.
JB für epd
