LAND OF THE DEAD

(USA, 2006)

In einer Zeit wo sich der Horrorfilm als sinnfreie Remake-Maschine genügt, bringt der mittlerweile 64jährige Erfinder des Zombie-Subgenres George A. Romero nach NIGHT OF THE LIVING DEAD (1968), DAWN OF THE DEAD (1977) und DAY OF THE DEAD (1985) mit dem 4. Teil seiner Zombie-Saga LAND OF THE DEAD den politischen Horrorfilm zurück. Ironischerweise ist es dem Erfolg von Zack Snyders DAWN OF THE DEAD-Remake aus dem letzten Jahr und Danny Boyles 28 DAYS LATER (2003) zu verdanken, das der Altmeister selbst wieder im Regiestuhl Platz nehmen darf. Erst mit jahrzehntelanger Verspätung und nach heftigen Zensurproblemen wurden Romeros Walking-Dead-Filme als soziopolitisch relevante Gesellschaftskommentare verstanden. Damit ihm das nicht wieder passiert, ist Romero diesmal überdeutlich mit seiner Message.

Nach dem Ausbrechen der Zombie-Epidemie haben sich die letzten Menschen in dem riesigen Hochhausturm Fiddlers Green verbarrikadiert. Oben leben die wenigen Reichen in Luxus, unten am Fuße des Wolkenkratzers die Armen in den Slums. Außerhalb der mit Elektrodraht umzäunten letzten Bastion der Menschheit taumeln die nach Frischfleisch gierenden Untoten. Bald werden die Armeen lernfähigen Zombies angeführt von einem farbigen Zombie-Revolutionsführer. Er führt sein Volk selbst durch die Wassergräben die die Toten von den Lebenden trennen.

Power to the dead people. Romeros Zombies sind keine seelenlosen Schießbudenfiguren, deren Köpfe man freudig zerschießen kann. Es sind Charaktere mit hohem Wiedererkennungswert und Persönlichkeit. Die Zombies, das sind wir. Das Land der Toten, das ist Amerika. Daran läßt Romero keinen Zweifel. Der ganz oben im Turm sitzende Industrialist Kaufman (diabolisch als George-W.-Bush-Karikatur verkörpert von Dennis Hopper) läßt Raketen auf die Menschenmassen im Ghetto regnen, hat Söldner die für ihn skrupellose Raubzüge in den verwüsteten Gebieten führen.

Doch auch die Söldner haben Träume, von einem Land ohne Zäune, irgendwo im Norden. Gegen infizierte Terroristen aus diesen militanten Reihen ist aber auch der mächtigste Mann der Welt nicht gewappnet. Und da Kaufman mit Terroristen nicht verhandelt, blickt er schon bald in den Maschinenpistolenlauf seines untoten mexikanischen Söldners, während der farbige Revolutionsführer ihm eine selbst gebastelte Bombe unter den Hintern schiebt.

Konsequent und ohne Zugeständnisse an das banale Unterhaltungskino führt der alte 68er Autorenfilmer Romero seine Zombie-Mission fort. LAND OF THE DEAD ist eine rührend altmodisch anmutende, von Grund auf pessimistische Gesellschaftskritik, vorgetragen mit dem Holzhammer.

JB