SPACE BATTLESHIP YAMATO

(Japan, 2010)

Japan ist Radioaktiv verseucht. Die wenigen Überlebenden vegetieren in unterirdischen Bunkerstädten vor sich hin und hoffen auf Rettung. Und die naht tatsächlich in Form der Yamato, dem letzten, im Kampf gegen die außerirdischen Invasoren namens Gamilonier übrig gebliebenen japanischen Weltraum-Kriegsschiff. Das düst unter der Führung des stolzen aber schon recht gebrechlichen Kapitän Okita (Tsutomu Yamazaki) und eines jungen todesmutigen Piloten mit wallendem Haar (Takuya Kimura) zu dem fernen Planeten Iscanda. Dort verfügt man angeblich über die Technologie, unseren verseuchten Planeten Erde von der Strahlung zu säubern und ihn wieder bewohnbar zu machen. Die ganze Welt drückt Japan die Daumen.

Was aus heutiger Sicht wie eine infantil anmutende Erlösungsfantasie aus der andauernden Reaktorkatastrophe von Fukushima wirkt, ist der Plot des schon im Dezember des Vorjahres 2010 erfolgreich in den japanischen Kinos angelaufenen Films „Space Battleship Yamato“ (Blue-ray und DVD von Splendid Film, stilecht im Steelbook) von Takashi Yamazaki. Die monströsen Auswirkungen der Radioaktivität sind seit den Atombombenabwürfen über Hiroshima und Nagasaki ein immanentes Thema japanischer Populärkultur. Wir denken nur an die radioaktives Feuer speiende Urweltechse Godzilla oder die atomare Riesenschildkröte Gamera. Der aktuelle Yamato-Film ist die abermalige Neuverfilmung der Anime-Serie „Uchū Senkan Yamato“ /„Starblazers“ aus dem Jahr 1974 und Japans epische und patriotische Antwort auf jüngste amerikanische Blockbuster wie das „Star Trek“-Reboot.

Schon oft diente die Yamato (auch die archaische Bezeichnung für das Ur-Japan), das zwischen 1937 und 1941 unter strengster Geheimhaltung erbaute größte Schlachtschiff der Welt, als Vorbild für fliegende Super-U-Boote, die Japans noch heute spürbare Schmach des damals verlorenen Krieges und der Kapitulation lindern sollten. In den vielen Mangas und spektakulären Science-Fiction-Filmen über die Super-Waffe Yamato spiegeln sich sowohl reaktionäre Almachtfantasien als auch Japans Sehnsucht nach Anerkennung und Vergebung aus dem Ausland. In „U 2000 – Tauchfahrt des Grauens / Kaitai Gunkan“ (DVD von Anolis im Steelbook oder Hartbox) von Godzilla-Regisseur Ishiro Honda aus dem Jahr 1963 muss die verängstigte Weltbevölkerung schon lange betteln, damit der alte verknöcherte Hardliner Kapitän Shinguji (Jun Tazaki) sein geheimes Super-U-Boot Atragon aus der Versenkung auftauchen läßt um das erdenfeindliche Mu-Reich und den Unterseedrachen Manda zu bezwingen.

Das echte Schlachtschiff Yamato ist übrigens bei seiner letzten Kamikaze-Mission am 7. April 1945 von einem amerikanischen U-Boot und 386 Trägerflugzeugen bombardiert worden und gesunken. Jetzt liegt es in zwei Teile zerbrochen in etwa 340 Metern Wassertiefe im ostchinesischen Meer auf Grund.

JB für ray