FRANKENSTEIN IN HIROSHIMA
Berlin, Ende des Zweiten Weltkriegs. Aus Sicherheitsgründen wird das unsterbliche, pochende Herz von Frankensteins Monster per U-Boot nach Hiroshima verschifft. Und dann fällt die Atombombe.
20 Jahre später hat sich durch die radioaktive Strahlung aus dem Frankenstein-Herz ein hässlicher Junge entwickelt, der unaufhaltsam wächst. Auf der Suche nach Nahrung und Unterschlupf irrt das von der Bombe getaufte Wesen verschreckt durch die dunklen Straßen Hiroshimas.
Der amerikanische Strahlenexperte Dr. James Adams und seine attraktive japanische Kollegin Dr. Takako Mizuno nehmen den entstellten Frankenstein-Jungen in ihre Obhut. Doch der Junge ist mittlerweile 20 Meter groß und wird zur Bedrohung ...
Pressestimmen:
Jörg Buttgereit, der auch für die Regie verantwortlich zeichnet, plündert die Science-fiction-Kino-Hits der dreißiger, fünfziger und sechziger Jahre und nimmt vom Neuen das Beste. "Ein entsetzlicher Anblick offenbart sich uns", als das brennende Raumschiff aufklappt, und wie im "Krieg der Welten" von Orson Welles ringt ein Radiosprecher nach Worten: "Ein, ja krakenähnliches Ding, Geschöpf gleitet aus der Luke." Ein "zwanzig Meter großer mutierter Junge", er könnte Katsushiro Otomos "Akira" entstiegen sein, kämpft gegen Urweltechsen und fliegende Untertassen. "Häuser stürzen ein wie Pappkulissen, Strommasten knicken um wie Streichhölzer."
Buttgereit findet für derlei Katastrophen im Modellbauformat auch ein sprachliches Pendant: die schiefe Metapher. "Die gesamte Wissenschaft vermag nicht, ihr Leben zu retten", sagt Dr. James Adams, der Strahlenmediziner, über eine Patientin. "Und wir müssen mit verbundenen Händen zusehen, wie sie unter entsetzlichen Qualen dahinvegetiert." Wacklige Kulissen, dilettantische Tricks und verunglückte Dialoge - der Charme vieler B-Filme besteht gerade in diesen Schwächen und in dem Einfallsreichtum und den ungewöhnlichen, spekulativen Geschichten, die sie ihnen entgegensetzen. Zugleich eignet sich die Hommage an den B-Film, gerade wegen seiner holzschnittartigen Züge, für satirische Attacken auf das Mainstream-Kino.
Jack Nicholson hat als amerikanischer Präsident in Tim Burtons "Mars Attacks" grandios den Patriotismus überzeichnet, der so viele Hollywood-Filme durchtrieft. Mit Nicholsons Synchronsprecher Joachim Kerzel in der Erzählerrolle und Arnold Schwarzeneggers "deutscher Stimme" Thomas Danneberg als Dr. Adams hat Buttgereit zwei herausragende Repräsentanten von Hollywoods Pathos besetzt. Ihre Selbstparodie ist ein gelungener Coup.
Frank Kaspar
Stabangaben:
Sprecher:
Erzähler: Joachim Kerzel
Dr. James Adams: Thomas Dannenberg
Frau Dr. Takako Mizuno: Akkio Fujino-Yoshida
Dr. Pretorius: Peter Groeger
Fritz: Philippe Brühl
Soldat 1 / Fotoreporter: Eckehard Hoffmann
Soldat 2 / Alter Mann: Peter Schlesinger
Wolfenbach / Leutnant: Udo Schenk
Kamashita: Jennipher Antoni
Reporter: Viktor Neumann
Nachrichtensprecher / Außerirdischer: Rüdiger Dambroth
Dr. Shimura: Chiaki Ikuta
Regie: Jörg Buttgereit
Regieassistenz: Phillipe Brühl
Autor: Jörg Buttgereit
Technische Realisation: Jonas Bergler
Redaktion: Isabel Platthaus - Produktion : WDR 2002
CD: ANOLIS - Beigabe zu der DVD Box zu: „Frankenstein – Der Schrecken mit dem Affengesicht“

