WALK OF FAME
Pussy Stanton will nach oben, auf den "Walk of Fame", der legendären Meile am Hollywood Boulevard, die mit den Namen großer Filmstars gepflastert ist. "Walk of Fame" heißt auch Pussys erster Film, eine Persiflage auf die Produktion eines B-Movies und dessen erschwerte Drehbedingungen: Moskitos, Tsunamis, verschwundene Eingeweideeimer. Nackte Filipinas laufen durchs Bild, bei einem Zombie löst sich der Glibber und dann geschieht noch ein Mord auf dem Filmset von "Racheengel auf der Blutinsel".
Die Hommage an die allerschlechtesten Filme der 60er und 70er Jahre, an Bikerinnen-Movies, Insel-, Foltercamp- und Frauengefängnisfilme, an Sexploitation und schwimmende Leichen wurde mit dem ARD Online-Award 2007 ausgezeichnet. Das akustische Film-im-Film-Geschehen wird kommentiert von den Kinospezialisten Jörg Buttgereit und Thilo Gosejohann.
Pressestimmen:
Jetzt können sich natürlich wenige von Ihnen vorstellen, wie man einen durch und durch schlechten Film in ein durch und durch geniales Hörspiel packt. Und genau hier ist sie - die Innovation. Denn es funktioniert wunderbar und noch dazu auf sehr intelligente Weise: Es gibt dabei nicht nur die Handlung, sondern auch noch overdubte Kommentare vom gutgelaunten Jörg Buttgereit und von Thilo Gosejohann, beides ausgewiesene Kenner der Szene und selbst Regisseure. Und das ist natürlich ein wunderbarer Dreh von Ullrich Bassenge, um genau den richtigen Abstand zu der Thematik einzunehmen: Man wird gut verortet zwischen primitiver Schaulust und intellektuellem Abscheu.
H.W. Prunck
Etwas ratlos macht einen das mit dem ARD-Online-Award 2007 ausgezeichnete, als „skurrile B-Movie-Persiflage“ bezeichnete Hörspiel „Walk of Fame“ schon. Denn inszenierter Trash, das ist die Trashregel schlechthin, ist per se nicht witzig – nur wer nicht ahnt, wie schlecht das ist, was er macht, ist trashig. Dass „Walk of Fame“ wegen dieser Regelmissachtung schlecht funktioniert, müssen wohl auch die Macher selbst geahnt haben. Sie engagierten deshalb als Voice-over-Sprecher die Horror-Trash-Experten Jörg Buttgereit und Thilo Gosejohann, die das Hörspiel kommentieren. Und das ist ein echter Spaß. Wir erfahren: Es gibt Zombies (wie in den amerikanischen Filmen so geschrieben) und Zombis (die Italo-Variante). Alles zum Thema Nazi-Exploitation, von den „Ilsa – She Wolf of the SS“-Filmen bis zu „Beast in Heat“, in dem ein Neandertaler Frauen vergewaltigt. Die Computerspielfigur Lara Croft sollte ursprünglich ein Mann sein. Dann fiel den Machern auf, dass der Hintern ihrer Figur während des Spiels ständig im Bild sein wird. Dann lieber eine Frau. Ballernde Frauen sind sexy, weil beim Rückstoß alles wackelt. Schwarzeneggers Brüste wackeln bei seiner Ballerorgie „Phantom-Commando“ auch. Realismus muss nicht sein. Wer mokiert, dass Raumschiffgeräusche im All nach den Gesetzen der Physik nicht hörbar sein können, kann ja die Lautstärke runterdrehen.
Sassan Niasseri
Walk of Fame
Text und Musik: Ulrich Bassenge
Die Mitwirkenden:
Pussy Stanton: Tanja Schleiff
Mary Satána: Edda Fischer
Stacy Love: Winnie Böwe
Ida Gomez: Valerie Koch
Teddie Romero: Engelbert von Nordhausen
John Miller: Norman Matt
Paul Sherman: Andreas Pietschmann
Zombies nackte Filipinas: Alexander Geringas und Juan Carlos Lopez
OFF-Sprecher: Rainer Schmitt
Harvey W.: Tommi Piper
Kommentatoren: Thilo Gosejohann und Jörg Buttgereit
Ton: Jürgen Glosemeyer
Schnitt: Barbara Göbel
Komposition: Ulrich Bassenge
Regie und Realisation: Leonhard Koppelmann
Regieassistenz: Nadja Reipschläger
Redaktion: Martina Müller-Wallraf
Produktion: WDR 2007, Länge: 53 min
