Der Elefantenmensch

Begaffter und Begaffende – wer ist das Monster? Der Elefantenmensch beschreibt die menschliche Gesellschaft als Freakshow voller Abgründe, in der die Oberfläche dominiert und das Extreme abartig fasziniert. Es ist die Geschichte eines jungen Mannes, der – geistig völlig gesund, körperlich stark entstellt – schon als Kind aus der Welt gefallen ist und Zeit seines Lebens zur Schau gestelltes Objekt bleibt. Bernard Pomerance griff für seinen 1979 mit dem Tony-Award ausgezeichneten Broadway-Erfolg auf die wahre Biographie des Engländers Joseph C. Merrick zurück, der an seltenen Erbkrankheiten litt und mit nur 27 Jahren starb.

Der reale Joseph Merrick konnte seinem Schicksal als Exponat der menschlichen Freakshow auch durch seinen Tod nicht entfliehen – sein Skelett ist noch heute in der pathologischen Sammlung des Royal London Hospital archiviert. Das Gerücht, der Popstar Michael Jackson hätte in den 1980er Jahren versucht, Merricks Knochen zu kaufen, konnte allerdings nie verifiziert werden.

Pressestimmen

Regisseur Jörg Buttgereit beweist mit seiner Einrichtung des Broadway- Hits „Der Elefantenmensch“ erneut sein Fingerspitzengefühl für die vermeintlichen Freaks unserer Gesellschaft. Gleich mit dem „Herrrein…spaziert“ des Freakshow-Unternehmers Ross (Christoph Jöde) zu Beginn wird der Zuschauer zum gaffenden Jahrmarktsbesucher, der es gar nicht erwarten kann, die Haut- und Knochenverwachsungen des John Merrick zu erblicken. Der eher zierliche Uwe Rohbeck macht dabei die Darstellung dieses unglücklichen Mannes zu einem Ereignis: Eingesperrt in einen schweren Ganzkörper-Anzug gelingt es ihm, allein mit der Kraft der immer sicherer werdenden Stimme Merricks und dem Glanz seiner Augen, dem zarten Charakter dieses missgestalteten Wesens Gestalt zu verleihen. Buttgereit erweist sich hier als subtiler Feingeist, der traumhaft genau den Ton mancher Szenen trifft.  - Arnold Hohmann

Buttgereit zeigt einfühlsam die Tragik des Menschen, der an einer seltenen und bizarren Krankheit leidet. Man kann die Entstellungen an Rohbeck nicht übersehen, nicht vergessen, wenn ihn Mrs. Kendall besucht. Aber wie sich zwei Menschen anfreunden, wie ihm die Schauspielerin in aller Unschuld den Wunsch erfüllt, einmal eine nackte Frau zu sehen, das spielen Rohbeck und Luise Heyer so, dass es keinen Betrachter kalt lässt. Buttgereit meidet souverän jede Rührseligkeit. Im Zentrum der Inszenierung steht das Schicksal einer Kreatur, die ihrer Umgebung ausgeliefert ist. Am Ende häutet sich Rohbeck, zieht mühsam die Maske ab und zeigt den zitternden Menschen darin. Ein passendes, ein großes Schlussbild. - Ralf Stiftel

Jörg Buttgereit mixt in Dortmund Bernard Pomerances Stück mit einer guten Prise David Lynch zum Jahrmarkt der Monstrosität. In den Szenen mit der Schauspiel-Diva Mrs. Kendall, deren Posen Luise Heyer eine bezaubernde und doch niemals naive Unschuld verleiht, blüht Merrick regelrecht auf, und Uwe Rohbecks Augen sind von einem betörenden Strahlen erfüllt. Gemeinsam verwandeln sie eine Szene aus "Romeo und Julia" in ein elegisches Liebesduett, das sogar noch die Oberflächlichkeit und Egozentrik des jugendlichen Liebhabers entlarvt. Am Ende legt sich Merrick dann nicht wie im Stück (und im Film) zum Sterben aufs Bett. Uwe Rohbeck streift stattdessen seine Ganzkörpermaske ab, breitet sie wie eine zweite Haut auf der Bühne aus und geht dann langsam ab. Ein so simples wie bewegendes Fanal der Freiheit und Erlösung. - Sascha Wetsphal

Besetzung:

Ross; Bischoff How; Willi Porter; Lord John; Jelly: Christoph Jöde
Dr. Frederick Treves: Frank Genser
John Merrick: Uwe Rohbeck
Carl Gomm: Uwe Schmieder
Miss Sandwich; Snork; Gräfin; Komtess; Prinzessin Alexandra; Jack Willow: Bettina Lieder
Mrs. Kendall: Luise Heyer

Stab:

Regie: Jörg Buttgereit
Bühne und Kostüme: Susanne Priebs
Dramaturgie: Anne-Kathrin Schulz
Regieassistenz: Tilman Oestereich
Ausstattungsassistenz: Jennifer Schulz
Fotos: Edi Szekely, Birgit Hupfeld