Jörg Buttgereits NOSFERATU LEBT!

Pressestimmen:

“Der Tod ist ein Meister aus Deutschland!”, heißt es im Finale von NOSFERATU LEBT! am Dortmunder Theater. Regisseur Jörg Buttgereit setzt mit seiner Inszenierung nicht nur Murnaus Filmklassiker von 1922 ein Denkmal, sondern schlägt eine unfassbare Brücke zwischen Film- und Zeitgeschichte, um seinen Zuschauern eines klar zu machen: die filmische Wiege des Horrorgenres liegt in Deutschland! Diese Rückbesinnung auf die Wurzeln einer damals jungen Genrebewegung, die bereits wenig später im Keim erstickt und zur Auswanderung gezwungen wurde, birgt bei Buttgereits Stück Hoffnung und Schrecken zugleich. Hoffnung darauf, dass nach so langer Zeit erkannt wird, dass Horrorgestalten wieder einen festen Platz in der deutschen Kulturlandschaft haben können. “Der Tod ist ein Meister aus Deutschland!” – ein Zitat aus Paul Celans Gedicht “Todesfuge” zum Holocaust – bezieht sich schließlich nicht bloß platt auf den geschichtlichen Kontext von Murnaus Film aus einem Deutschland zwischen zwei Weltkriegen – Siegfried Kracauer bezeichnete NOSFERATU später schließlich als die mediale Vorwegname Hitlers – sondern vielmehr auf den immensen Einfluss des Films auf alle zukünftigen Horrorfilmgeneration. - Kay Pinno

Buttgereits Version des Schauermärchens vom transsilvanischen Blutfürsten besticht als Stilübung und liebevolle Hommage an eine ausgestorbene Filmgattung, die ihre Kraft dem Miteinander vieler Künste verdankt. Expressives Spiel, ausgefeiltes Licht (Rolf Giese), Maske, Kostüm, Bühnenbild (Susanne Priebs) verdichten ihre Stimmen zu einem Orchester, das eine „Sinfonie des Grauens“ intoniert, schon Untertitel von Murnaus Klassiker. „Nosferatu lebt!“ ist ein Muster konzentrierten Theaters. Jeder Strich und jeder Ton ist mit Bedacht gesetzt. - Kai-Uwe Brinkmann

Uwe Rohbeck spielt die zentrale Rolle des Nosferatu. Buttgereits Rollenbesetzung ist perfekt, denn Rohbecks Darstellung des Vampirs steht dem „Original“-Nosferatu Max Schreck in nichts nach. Er hat auch ohne Stimme eine starke Ausstrahlung. Er wirkt mysteriös, unheimlich und manchmal rätselhaft, wie der Graf Dracula in dem zugrunde liegenden Roman. Allein durch Mimik und Bewegung zieht er das Publikum in seinen Bann. (...) Eine Stärke des Stückes ist der mühelose Wechsel von komisch zu ernsthaft-nachdenklich. Die Tragik und das Düstere ist präsent und gleichzeitig kommt immer wieder der wunderbare und einzigartige Buttgereit-Humor zum Vorschein. - Ulrike Maerkel

Vieles ist hinreißend an diesem Abend. Buttgereit holt die Optik des frühen Kintopp auf die Bühne. Das Ensemble trifft traumwandlerisch die Bildsprache der 1920er Jahre. Die Darsteller sind schwarz-weiß geschminkt. Es gibt keine Farben zwischen Hutters Wohnung mit dem Bett seiner Verlobten Ellen und dem Schloss des transsylvanischen Grafen Orlok. Und die Darsteller sprechen nur die nötigsten Dialoge, meistens werden eingeblendete Zwischentitel in kratzig-fleckiger Stummfilmanmutung eingeblendet. Dazu gibt es die ausladenden und überakzentuierten Gesten jener Epoche. Viele Außenszenen erscheinen an der Bühnenrückwand als Schattenspiel. Schon dieser visuelle Zauber lohnt den Besuch. - Ralf Stiftel

Stab:

Hutter: Ekkehard Freye
Ellen: Annika Meier
Häusermakler Knock: Andreas Beck
Nosferatu: Uwe Rohbeck
Pianist: Kornelius Heidebrecht
Schattenspiel: Maximilian Steffan

Regie: Jörg Buttgereit
Bühne und Kostüme: Susanne Priebs
Licht: Rolf Giese
Dramaturgie: Anne-Kathrin Schulz
Regieassistenz: Tilman Oestereich
Ausstattungsassistenz: Clara Hedwig
Soufflage: SuSe Kipp
Videoart: Mario Simon
Fotos: Birgit Hupfeld, Edi Szekely

Uraufführung: 29.11.2014 Theater Dortmund