NEKROMANTIK

Rob arbeitet bei "Joe's Säuberungsaktion", spezialisiert auf Leichen-beseitigungen aller Art. Mit seiner Freundin Betty teilt er nicht nur die Wohnung, sondern auch die Vorliebe für Tote. Welche Bereicherung, als Rob eines Tages einen zwar ermordeten, aber ziemlich vollständigen Leichnam mitbringt. Die sexuelle Erfüllung zu dritt ist heftig, aber nicht von Dauer. Aus seinem Job gefeuert, wird Rob von Betty verlassen, die zudem noch den toten Liebhaber mitnimmt.

Trotz aller Exzesse steht bei NEKROMANTIK immer der Protagonist im Vordergrund. Der Film nimmt seinen Helden ernst, zeigt ihn seiner Rolle als Opfer, dessen Leidensweg er verfolgt bis zum befreienden Ende der orgiastischen Art, die die klaustrophobische Enge der Welt von Rob und seiner Obsession aufbricht. Ein großer, originärer Film, der gleichzeitig erschreckt und berührt.

Frank Arnold



JSA: eine klingende Abkürzung, die für Joes Säuberungsaktion steht,eine Organisation von jungen Männern in weißen Plastikanzügen,die jenseits von Zeit und Ort auf wundersame Weise alle in der Gegend anfallenden Leichen verschwinden läßt. Ihre sachlich rüde Geschäftigkeit entspricht der, die man von Polizei oder Feuerwehr kennt. Ungerührt muffig gehen die Jungs ans Werk, doch einer ist anders. In seinen Augen glimmt so eine gewisse Leidenschaft angesichts der zerfetzten Leichen.

NEKROMANTIK: wenn man den Titel wörtlich nimmt, ist man der Essenz des Films am nächsten:  nekrophil und romantisch. Doch nach allgemein menschlichem Empfinden schließt das eine das andere aus. Aus dieser Voraussetzung ergibt sich eine Verschiebung, die aus der Differenz zwischen dem entsteht, was den Zuschauer entsetzt und mit Ekel erfüllt, aber die Figuren innerhalb des Films für das Allergewöhnlichste nehmen. Aus der Kluft zwischen den Gefühlen innerhalb und außerhalb des Films resultiert eine Art von Humor, die auch erlösend ist, ohne aber das Unglaubliche zu relativieren. Er bietet eine Chance, die man als Zuschauer nutzen kann, wenn man sich nicht zu helfen weiß. Der Film verbindet detailbesessene Konzentration mit dem Charme des nicht völlig Perfekten.

Anke Sterneborg


Tatsächlich handelt es sich bei NEKROMANTIK um einen sensiblen, mutigen und zutiefst moralischen Film, der die Ambivalenz von Natürlichkeitsbegriffen thematisiert und dabei vor drastischen Bildern nicht zurückscheut. Was den Film so überaus verstörend in seiner Wirkung macht, sind keine Gewaltdarstellungen (auf die der Film fast völlig verzichtet), sondern die Entschlossenheit seiner Macher, ein schwieriges Thema ohne Scheuklappen anzugehen.

Christian Keßler  in NEKROMANTIK - Das Buch zum Film

Weitere Kritiken zu NEKROMANTIK hier

Stabangaben:

Regie: Jörg Buttgereit
Buch: Jörg Buttgereit, Franz Rodenkirchen
Produktion: Manfred O. Jelinski, Jörg Buttgereit

Mit:
Daktari Lorenz: Robert Schmadtke
Beatrice Manowski: Betty
Harald Lundt: Bruno
Collosseo Schulzendorf: Joe
Henri Boeck: Arbeiter bei Joe's Säuberungsaktion
Clemens Schwender: Arbeiter bei Joe's Säuberungsaktion
Jörg Buttgereit: Arbeiter bei Joe's Säuberungsaktion
Holger Suhr: Arbeiter bei Joe's Säuberungsaktion
Volker Hauptvogel: Schütze
Harald Weis: Toter Mann
Heike Surban: Prostituierte 1
Patricia Leipold: Prostituierte 2
Elke Fuchs: Prostituierte 3
Margit Im Schlaa: Prostituierte 4
Susa Kohlstedt: Vera
Franz Rodenkirchen: Pornokiller
Heinz Langner: Polizist
Christiane Baumgarten: Woman in Dream
Simone Spörl: Frau im Auto
Wilfried Hoog: Mann im Auto
Michael Büschke: Leiche
Manfred Repnow: Gärtner
Daniela Geburtig: Kassiererin
Manfred O. Jelinski: Kartenabreisser
Horst Laskowski: Mann im TV
Fritz Fuchs: Schlachter
Marion Koob: Kinobesucher
Hagen Liebing: Kinobesucher
Heinrich Ebber: Kinobesucher
Hapunkt Fix: Kinobesucher
Mutfak Reisse: Kinobesucher
Bong Boeldicke: Kinobesucher
Gerd Breitung: Kinobesucher
Tino Peikert: Kinobesucher
Colin Ring: Kinobesucher
Jürgen Brüning: TV - Stimme

Musik: Hermann Kopp, Daktari Lorenz, John Boy Walton         
Kamera: Uwe Bohrer
Schnitt: Jörg Buttgereit, Manfred O. Jelinski
Poster: Andreas Marschall
Standfotos: Jörg Buttgereit

1987, 71 min.